Informationen für Eltern

Leben mit ADHS – Eine tägliche Herausforderung


Aufgrund der typischen Symptome beeinflusst ADHS nicht nur das Leben der betroffenen Kinder, sondern auch das ihrer Eltern, Geschwister, Freunde und Lehrer.

Trotz der größten Anstrengung kann es einem Kind mit ADHS schwerfallen, sich so zu benehmen, wie es von ihm erwartet wird. Da Kinder mit ADHS dazu neigen, besonders impulsiv zu sein, haben sie Mühe, sich im sozialen Kontakt zu beherrschen. Sie sind schnell frustriert und werden dann ärgerlich.

Der Einfluss von ADHS auf Freundschaften und Beziehungen

Häufig wenden sich Eltern an Kinderärzte, Psychiater oder Psychologen, wenn ihr Kind aufgrund seiner ADHS-Symptome Probleme im Kontakt mit anderen hat. Die Impulsivität und Ich-Bezogenheit können in Beziehungen zu anderen problematisch sein, besonders im Jugendalter.

Jugendliche mit ADHS zeigen häufig Defizite im sozialen Kontakt und haben Probleme, sich angemessen mitzuteilen. So erzeugen sie bei ihrem Gegenüber oft Unverständnis, da ihre Körpersprache und ihr Gesichtsausdruck für andere nicht immer einfach zu deuten sind.

In der Kindheit können sich Ablenkbarkeit, Impulsivität, Überempfindlichkeit, Überreaktion, Individualismus und ein Mangel an Selbstkontrolle störend auf das Erlernen sozialer Kompetenzen auswirken. Kinder mit ADHS können bestimmte Einzelheiten der sozialen Interaktion nicht erfassen, die beim Erwerb dieser Fähigkeiten hilfreich sind. Darüber hinaus erfahren sie als Heranwachsende oft Formen von Isolation oder Zurückweisung aufgrund von Symptomen wie z. B. Selbstbezogenheit, Nachlässigkeit oder Gleichgültigkeit. Diese Probleme sind in der Regel in einer zu späten Diagnose begründet.

Auch ein geringes Selbstwertgefühl (eine häufige Folge von ADHS) kann Probleme im Kontakt mit anderen verursachen. Viele ADHS-Betroffene kennen bereits das Auseinanderbrechen von Freundschaften wie auch die Schwierigkeiten im Zusammenleben mit Eltern und Geschwistern.

Welche Symptome belasten die sozialen Kontakte besonders?

Fehlende Kommunikation

Mangelnde Kommunikationsfähigkeit wirkt sich störend auf die Entwicklung einer gesunden Kommunikation mit anderen aus. Ohne dass sie sich dessen bewusst sind, fehlt Kindern und Jugendlichen mit ADHS oft die wichtige Fähigkeit, sich angemessen mitteilen zu können. Die Entwicklung dieser Fähigkeit bereits in der Kindheit ist daher enorm wichtig, was aber wiederum eine frühe Diagnose voraussetzt.

Emotionale Empfindlichkeit und Überreaktion

Kinder und Jugendliche mit ADHS sind besonders verletzlich und werden schnell ärgerlich, schon auf kleinste Veränderungen in ihrem Umfeld können sie sowohl emotional als auch physisch instinktiv reagieren. Die Gefühlswelt von Menschen mit ADHS unterscheidet sich von der anderer. Damit umzugehen und dies zu verstehen kann ihre Mitmenschen vor eine große Herausforderung stellen.

Impulsivität

Sich vor dem Handeln keine Gedanken über die Konsequenzen zu machen, kann sich ebenfalls massiv auf die Beziehungen zu anderen auswirken.

Durchhaltevermögen

Wenn jemand Probleme damit hat, sich selbst zu organisieren oder sich Dinge zu merken, können Konflikte entstehen, die Kontakte zu anderen auf Dauer negativ beeinflussen. Vergesslichkeit und mangelndes Organisationsvermögen können unter anderem dazu führen, dass Schlüssel verloren gehen oder Pflichten im Haushalt vergessen werden.

Das führt bei den anderen Familienmitgliedern zu mangelndem Vertrauen und Enttäuschung, vielleicht auch zu Gefühlen von Wut und Benachteiligung. Sich hier Beratung und Unterstützung für die Familie zu holen kann allen helfen, nicht nur Ihrem Kind, das von ADHS betroffen ist.

Was bedeutet das im Einzelnen?

ADHS wirkt sich stark auf nahezu alle Bereiche des persönlichen Lebens aus, natürlich auch auf die Kontakte zu anderen Kindern und Erwachsenen. Aufgrund ihres impulsiven Verhaltens wirken die betroffenen Kinder vielfach feindselig und reagieren zerstörerisch. Sie empfinden in belastenden Situationen starke Wut und sind sehr frustriert. Oft fehlt ihnen unmittelbar danach auch die Fähigkeit zur Einsicht und sie zeigen dann keinerlei Schuldbewusstsein.

Die Auswirkungen dieses oft unkontrollierten Verhaltens unterscheiden sich zwar von Kind zu Kind, häufig beobachten Eltern betroffener Kinder aber leider Folgendes:

  • Ihre Kinder werden von Klassenkameraden nicht zu bestimmten Aktivitäten wie Geburtstagsfeiern eingeladen.
  • Ihre Kinder werden vom Unterricht oder von außerschulischen Aktivitäten ausgeschlossen, weil sie sich nicht an die Regeln gehalten haben.
  • Ihre Kinder haben Schwierigkeiten, enge Freundschaften mit anderen Kindern zu schließen.

Diese Auswirkungen können Kinder und Eltern emotional sehr belasten. Lassen Sie sich beraten, wie Sie Ihr Kind unterstützen können, wenn es sich von anderen abgelehnt fühlt.

Wird das Kind größer, wirkt sich ADHS z. B. auch auf die ersten sexuellen Erfahrungen aus. Jugendliche mit ADHS sind bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen oft jünger als der Durchschnitt und haben aufgrund ihrer Neigung zur Impulsivität häufig überdurchschnittlich viele Partner. Dadurch treten sexuell übertragbare Krankheiten oder Schwangerschaften bei Jugendlichen mit ADHS unter 20 Jahren besonders häufig auf.

Gerade deshalb ist es wichtig, dass Sie mit Ihrem heranwachsenden Kind rechtzeitig über geeignete Verhütungsmethoden reden und über Möglichkeiten, sich zu schützen.
Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind über seinen Umgang mit anderen, sensibilisieren Sie es für die Folgen seines Verhaltens und stehen Sie ihm bei Kummer und Sorgen bei. Das erleichtert es Ihnen und Ihrem Kind, mit den Auswirkungen der Erkrankung besser zurechtzukommen.

Der Einfluss von ADHS auf die schulische Leistung

Ist die schulische Leistung Ihres Kindes nicht so gut, wie Sie es sich wünschen, machen Sie sich vielleicht Sorgen um die berufliche Zukunft Ihres Kindes. Dabei sollten Sie wissen, dass viele Prüfungsverfahren für Kinder mit ADHS nicht geeignet sind. Die Ergebnisse sind nicht immer aussagekräftig, da Kinder mit ADHS manchmal unabhängig von ihrer Intelligenz, ihren Fähigkeiten und ihrer Fachkompetenz für leistungsschwach gehalten werden.

Viele Kinder und Jugendliche mit ADHS haben Mühe, Anweisungen zu verstehen, Gelerntes zu behalten und auf andere Rücksicht zu nehmen. Es fällt Ihnen schwer, still zu sitzen und oft können sie ihr impulsives Verhalten nicht kontrollieren. So entwickeln sich ungünstige Verhaltensmuster und die betroffenen Kinder tun sich schwer damit, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden.

Die häufigsten Probleme von Kindern mit ADHS im Unterricht sind:

  • Schwierigkeiten beim Lesen und Rechnen
  • Probleme mit Wiederholungsübungen
  • Unterrichtsausschluss wegen Fehlverhaltens
  • Versagen bei Klassenarbeiten
  • Notwendigkeit von Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe und Förderunterricht (vier- bis
    fünfmal häufiger als bei Kindern ohne ADHS)

Wie Sie Ihr Kind in der Schule unterstützen können:

  • ADHS möglichst früh erkennen, um die damit verbundenen Komplikationen zu vermindern,
  • Lehrer über die Erkrankung aufklären, damit sie die ADHS-Behandlung in der Schule unterstützen können,
  • offen mit den Lehrern sprechen und sie in die Beobachtung von Symptomen und in Behandlungsstrategien einbinden, um die Auswirkungen im Schulalltag in den Griff zu bekommen, monatliche Rücksprachen mit den Lehrern.

Was bedeutet ADHS für die Eltern?

Es kann zeitweise sehr belastend sein, ein Kind mit ADHS zu erziehen. Die betroffenen Eltern sind häufig frustriert. Zwar sind alle Eltern gefragt, ihre Kinder gut zu begleiten, aber gerade Kinder mit ADHS stellen die Geduld ihrer Eltern auf eine harte Probe. Das Setzen von Grenzen sowie das Durchhalten einer konsequenten Erziehung können sehr viel Energie kosten. Sie fühlen sich vielleicht manchmal überfordert. Durch die Sorgen und auch Zweifel kann das eigene Selbstwertgefühl leiden. Diese Belastung führt oft zu Spannungen und Streit mit dem Partner oder der Partnerin, sodass leider in Familien mit einem von ADHS betroffenen Kind Trennungen und Scheidungen nicht selten sind. Der Stress, dem die Eltern ausgesetzt sind, kann auch zu einem vermehrten Auftreten von psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Alkoholmissbrauch führen.

Holen auch Sie sich Hilfe: Es gibt viele Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Eltern, deren Kind von ADHS betroffen ist. Hier können Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen, erhalten wertvolle Tipps und finden Verständnis für Ihre Situation. Mehr Informationen finden Sie unter dem Punkt „Hilfe und Unterstützung für betroffene Familien“.