Informationen für Eltern

Diagnose und Behandlung der ADHS


Was Sie bei Verdacht auf ADHS tun sollten

Es gibt nicht „den“ Test auf ADHS. Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind von ADHS betroffen ist, sollten Sie sich zunächst an Ihren Kinderarzt wenden. Er wird Sie zu den Symptomen befragen, z. B. wann diese erstmals aufgetreten sind und wo sie sich äußern (z. B. zu Hause oder in der Schule). Sie müssen unbedingt ganz offen mit Ihrem Kinderarzt sprechen, damit dieser feststellen kann, ob es sich tatsächlich um ADHS-Symptome handelt.

Um sich ein umfassendes Bild machen zu können, ist es für den Arzt hilfreich, sich ggf. mit anderen Familienmitgliedern und Lehrern zu unterhalten. Er wird Sie auch fragen, ob in der Familie schon einmal ADHS vorgekommen ist und ob bei Ihrem Kind durch andere Einrichtungen noch weitere Erkrankungen wie z. B. Allergien festgestellt wurden. Kommen Sie gemeinsam mit dem Kinderarzt zu dem Schluss, dass die Auswirkungen der Symptome auf den Alltag, auf die schulischen Leistungen und auf das Zusammenleben gravierend sind, wird er Sie vermutlich an einen Spezialisten verweisen.

Wer stellt endgültig die Diagnose ADHS?

Der diagnostizierende Arzt ist speziell geschult, die Erkrankung zu erkennen und zu behandeln – zumeist ist es ein Kinder- oder Jugendpsychiater oder ein Kinderarzt mit einer Zusatzausbildung.

Wie wird die Diagnose ADHS gestellt?

ADHS ist nicht einfach zu diagnostizieren, denn jedes Kind kann hin und wieder Verhaltensweisen zeigen, die diesen Symptomen ähneln – abhängig von den verschiedenen Entwicklungsstufen. Auch bei bereits festgestellten Diagnosen äußern sich die Symptome bei den betroffenen Kindern unterschiedlich und nicht immer mit derselben Intensität. Um die richtige Diagnose stellen zu können, benötigen die Ärzte so viele Informationen wie möglich über alle Lebensbereiche Ihres Kindes. Zusätzlich führen sie verschiedene Tests und Untersuchungen durch. Mithilfe dieser Tests können die Mediziner auch die ganz individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes erkennen. Die folgenden drei Untersuchungen werden auf jeden Fall Grundlage jeder Diagnosestellung sein.

Körperliche Untersuchung

Zunächst schließt der Arzt durch eine umfassende körperliche Untersuchung aus, dass die Symptome durch eine andere Erkrankung hervorgerufen werden. Schlechte schulische Leistungen können z. B. auch durch bisher nicht diagnostizierte Hör- oder Sehstörungen bedingt sein.

Befragung

Der Arzt wird versuchen, im Rahmen eines Gesprächs mit Ihnen und Ihrem Kind mehr über die Symptome zu erfahren. Unter Umständen möchte er andere Menschen aus dem persönlichen Umfeld Ihres Kindes befragen, wie Großeltern, Lehrer, Erzieher oder Freunde, die das Kind gut kennen. Auch die Zeugnisse können einen Aufschluss über die mögliche Erkrankung geben. Falls erforderlich, erteilen Sie daher Ihrem Kinderarzt die Erlaubnis, sich mit anderen Bezugspersonen Ihres Kindes in Verbindung zu setzen.

In einem Gespräch mit Ihnen kann sich der Arzt auch ein besseres Bild von den speziellen Bedürfnissen Ihres Kindes machen und einen genau darauf abgestimmten Behandlungsplan gemeinsam mit Ihnen erstellen.

Bewertungssysteme

Mithilfe unterschiedlicher Fragebögen versuchen Spezialisten eine bessere Vorstellung von Verhalten und Psyche des Patienten zu bekommen. Diese Ergebnisse erleichtern die Entscheidung, ob die vorliegenden Symptome tatsächlich ADHS-bedingt sind. Auch andere Erkrankungen lassen sich mit diesen Fragebögen erkennen.

Was ist für eine fundierte ADHS-Diagnose erforderlich?

Eine fundierte ADHS-Diagnose wird aufgrund aller Ergebnisse einer Reihe von Fragebögen, Tests und Untersuchungen gestellt. Nachdem der Spezialist alle Befunde gründlich geprüft sowie diese mit den Kriterien medizinischer Bewertungssysteme abgeglichen hat, stellt er die Diagnose. Geeignete medizinische Klassifikationssysteme sind zum Beispiel der diagnostische und statistische Leitfaden psychischer Störungen (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage, DSM-V) und die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10. Ausgabe, ICD-10).

Behandlungsmöglichkeiten bei ADHS

Viele Eltern sind zunächst verunsichert, was das Leben mit ADHS für sie und ihr davon betroffenes Kind bedeutet. In der Behandlung liegt oft die Chance, das Leben Ihres Kindes und das der Familie positiv zu beeinflussen. Auch erfahren Sie meist zu Beginn der Behandlung viel über die Erkrankung und können so Vorurteilen und gut gemeinten Ratschlägen anderer gelassen begegnen. Stellen Sie Ihrem Kinderarzt bzw. Kinder- und Jugendpsychiater alle Fragen, die für Sie wichtig sind, und erzählen Sie von Ihrem Kind und Ihrem Familienleben. So kann er mit Ihnen gemeinsam einen Behandlungsplan erstellen, der speziell auf die Bedürfnisse Ihres Kindes abgestimmt ist.

Sicher unterstützen Sie Ihr Kind, wo Sie können. Dabei sollten Sie aber nicht vergessen, auch gut für sich selbst zu sorgen. Nehmen Sie Hilfe von Familie und Freunden an und suchen Sie den Austausch mit anderen Eltern, deren Kinder auch von ADHS betroffen sind. Es gibt Selbsthilfegruppen und Angehörigengesprächskreise, die für Entlastung und Verständnis sorgen können. Für Ihr Kind eignet sich z. B. ein Sportverein, so kann es in einer konstanten Gruppe lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren, und hat gleichzeitig einen körperlichen Ausgleich sowie Kontakt zu Gleichaltrigen.