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Allgemeine Informationen


Was ist eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, ist eine Verhaltensstörung, für die Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität typisch sind. Diese Symptome fallen häufig in der Schule oder im Zusammensein mit anderen auf. Sie treten meist bereits in der Kindheit auf, können aber bis ins Jugend- und Erwachsenenalter hinein andauern.

Auch wenn der Begriff ADHS erst vor relativ kurzer Zeit geprägt wurde, ist die Erkrankung nicht neu. Die Verhaltenssymptome sind schon seit vielen Jahren bekannt. So gibt es nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn bei ADHS arbeitet, sondern auch bereits bewährte Methoden, um die Auswirkungen von ADHS in Grenzen zu halten. Nicht nur zahlreiche Alltagstipps helfen, es gibt inzwischen auch gute Behandlungsmöglichkeiten.

Wie häufig wird die Diagnose ADHS gestellt?

ADHS ist keine seltene Erkrankung. Fast jeder kennt in seinem Bekanntenkreis ein Kind, bei dem ADHS festgestellt wurde. ADHS ist zudem eine der häufigsten neurologisch bedingten Erkrankungen.

  • Legt man die Diagnosekriterien der Klassifikation nach DSM V (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage, DSM-V) zugrunde, so sind rund 5,29 % der Weltbevölkerung an ADHS erkrankt.
  • In der EU haben schätzungsweise 5 % aller Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 17 Jahren ADHS. Das sind ungefähr 3,3 Millionen.

ADHS kann bei Jungen wie Mädchen auftreten. Die Diagnose wird allerdings häufiger bei Jungen gestellt. Die Symptome von ADHS sind bei Mädchen oft schwerer zu erkennen, denn diese neigen seltener zu störendem Verhalten oder Unaufmerksamkeit. Werden die Kinder aber älter, trifft man die Diagnose ADHS schließlich ebenso häufig bei Jungen wie bei Mädchen an.

Was ADHS nicht ist

ADHS ist eine neurologische Erkrankung. Sie äußert sich in einer Störung des Nervensystems, was sich vielfältig auf das Verhalten des betroffenen Kindes auswirkt. Leider gibt es viele Gerüchte und Missverständnisse über die Erkrankung. Diese möchten wir im Folgenden aufdecken:

  • ADHS ist keine „Kinderkrankheit“.
  • ADHS wird nicht in erster Linie von genetischen Faktoren beeinflusst.
  • Auch wenn sich die Symptome in der Schule zeigen, gilt ADHS nicht als Lernstörung.
  • ADHS ist auch keine Ausrede für unübliche Verhaltensweisen.
  • Nicht jedes Kind, das sich leicht ablenken lässt oder impulsiv ist, hat ADHS.
  • ADHS bedeutet nicht, dass Ihr Kind weniger liebenswert ist.
  • ADHS ist aber auch nichts, was sich von allein „auswächst“.
  • ADHS kann unabhängig vom Grad der Intelligenz auftreten und beeinflusst diese nicht.
  • Kinder mit ADHS sind ansprechbar und können sich die Folgen ihres Handelns meist bewusst machen.

Das Stigma der Kinder mit ADHS

Viele Kinder mit ADHS und ihre Familien wünschen sich ein besseres Verständnis der Krankheit in der Öffentlichkeit, um die Vorurteile loszuwerden, die die Diagnose nach sich ziehen kann.

Nicht nur im Internet finden sich viele falsche Informationen zu ADHS bei Kindern, auch Menschen im eigenen Umfeld haben häufig ihre eigene, nicht immer richtige Sicht auf die Erkrankung. Oder sie geben wohlgemeinte, aber unpassende Tipps, wie man am besten damit umgehen sollte. Das kann für Eltern und für das betroffene Kind sehr belastend sein. Hier erfahren Sie mehr darüber, was ADHS ist und was es nicht ist. Gut informiert können Sie den Vorurteilen zu ADHS besser begegnen und erhalten mehr Verständnis für sich und das betroffene Kind.

Wer stellt die Diagnose ADHS?

Wenn Sie bei Ihrem Kind Symptome beobachten, die Sie an ADHS erinnern, sollten Sie zunächst mit Ihrem Kinderarzt sprechen und Ihr Kind untersuchen lassen. Denn es gibt keinen einfachen Test auf ADHS und viele andere Erkrankungen können ähnliche Symptome aufweisen.

Vielen Eltern und Kindern ist die Diagnose ADHS unangenehm. Das liegt häufig daran, dass wir zu wenig über die Erkrankung wissen. Ihr Arzt ist hier der richtige Ansprechpartner. Er erklärt die Symptome und erörtert mit Ihnen den Umgang mit Ihrem Kind und seinem Verhalten. Er kann Sie  und Ihr Kind unterstützen und leitet bei Bedarf auch eine notwendige Behandlung ein und verweist Sie an einen Spezialisten.