Tipps und Unterstützung

Freundschaft & Liebe


ADHS macht zwischenmenschliche Beziehungen manchmal kompliziert, egal ob in der Familie, unter Kollegen, mit einem Freund oder einer Freundin.

Und im Umgang mit Altersgenossen funken öfter die „schwierigen“ Eigenschaften dazwischen:

  • spontane, unüberlegte Wortschwalle zum Beispiel, die manchmal ungewollt den anderen unterbrechen oder auch verletzen,
  • die Unaufmerksamkeit, die von anderen oft als fehlendes Interesse interpretiert wird und somit auch verletzend wirken kann,
  • die Impulsivität, die Dich zu Dingen treibt, die ein Freund/eine Freundin ohne ADHS überhaupt nicht nachvollziehen kann – das kommt oft sehr sprunghaft und unzuverlässig rüber,
  • Dein eventueller Hang, etwas Riskantes zu tun,
  • sehr hohe Erwartungen an eine Freundschaft und große Enttäuschung, wenn diese nicht erfüllt werden.

Im Gespräch und vor allem bei Konflikten ist es wichtig, dass Du versuchst, den anderen zu verstehen. Das erreichst Du am ehesten, wenn Du ihm oder ihr zuhörst. Dann kannst Du auch von Dir und Deinen Gefühlen erzählen, damit Dein Gegenüber Dich besser versteht.

Vielleicht helfen Dir beim Zuhören folgende Überlegungen:

  • Jeder Mensch hat seine Macken und Besonderheiten. Alle sind mal verletzlich und fühlen sich manchmal angegriffen, genau wie Du.
  • Wenn es hart auf hart kommt, hilft es, mal kurz auf Abstand zu gehen: Atme in schwierigen Situationen mindestens 3-mal tief durch oder verlasse mit Ansage kurz den Raum. Dann versuche die schwierige Situation von außen zu betrachten, so als wärst Du nicht direkt beteiligt. Eventuell fällt es Dir dann leichter, einen Kompromiss zu finden bzw. auf andere zuzugehen.
  • Was Du Dir von anderen wünschst, versuche es ihnen auch zu geben: Respekt und Verständnis.

Was Du wissen solltest …

Der große Wunsch nach Zugehörigkeit, kann Dich dazu verleiten, Dinge zu machen, die Du nicht mehr rückgängig machen kannst. Deine Offenheit für Neues, Deine Risikobereitschaft verleiten Dich vielleicht zu Aktionen, die Du später bereust. Es gibt einige Risikobereiche, in denen Du Dich möglicherweise wiederfindest:

  • extreme Essstörungen
  • Suchtverhalten
  • viele Tätowierungen und/oder Piercings
  • Anschluss an extreme Gruppen
  • verbotene Action wie Sprayen, U-Bahn-Surfen oder anderes

Mach es Dir zur goldenen Regel, immer erst mit Deiner Vertrauensperson zu sprechen, bevor Du irgendeine spontane Idee durchziehst! Vielleicht hilft auch ein mit Dir selbst abgemachtes Zeichen, Dich mit einer spontanen Tat nicht selbst zu überholen.

Liebe und Sexualität

ADHS bringt leider auch ein paar unschöne Risiken mit sich, vor allem, wenn es um Sexualität geht. Deine Spontanität, das manchmal impulsgesteuerte Verhalten mit der spät eintretenden Sorge oder Erkenntnis, was Du da gerade treibst, führt oft dazu, dass so mancher Fehltritt nicht wiedergutzumachen ist.

Es gibt wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Jugendliche mit ADHS dreimal häufiger wechselnde Sexualpartner haben, als Jugendliche ohne ADHS (das nennt man Promiskuität).

Damit wächst natürlich das Risiko für unerwünschte Schwangerschaften. Bei ADHS-Betroffenen liegt es bei 38 %, bei nicht ADHS-Betroffenen bei nur 4 %. Außerdem erhöht es die Ansteckungsgefahr für sexuell übertragbare Krankheiten.

Einer der Wege sich vor „Fehlern“ zu schützen, ist, sich seiner Erkrankung und der damit verbundenen Eigenschaften bewusst zu sein und für sich Lösungen zu suchen, sich selbstbestimmt zu kontrollieren. Und immer mindestens eine Sicherheitsstufe einzubauen:

  • ein/e gute/r Freund/in mitnehmen,
  • das Gespräch mit jemandem, dem Du vertraust,
  • Verhütungsmittel,
  • Kondome zum Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten.