Dein Alltag mit ADHS

Schule und Hausaufgaben


Sicher fällt es Dir schwer, jeden Tag so lange still zu sitzen, immer aufzupassen und Dich auf den Unterricht zu konzentrieren. Hast Du das Gefühl, dass Du in der Schule schlechter bist als die anderen und mehr Ärger bekommst? Du sollst ruhig sein, Deine Leistungen werden bewertet und obendrein gibt’s noch Konflikte mit anderen. Da kommt schnell das Gefühl auf: Es ist alles so fremdbestimmt, nichts kannst Du Dir selber aussuchen.

Das nervt Dich sicher. Da kommst Du aber leider nicht drum herum – wir geben Dir Tipps, wie Du das Ruder in die Hand nimmst und trotzdem mit den anderen auf einer Welle segelst.

Bist Du gut vorbereitet?

  • Schultasche am Tag vorher packen: So bist Du morgens sofort „startklar“.
  • Verschiedene Umschlagfarben für jedes Fach: Damit weißt Du sofort, was zusammengehört und was Du wann mitnehmen musst.
  • Materialien pro Fach in einer Sammelmappe: Alle Unterlagen für ein Fach (Bücher, Hefte und so weiter) kommen in eine Mappe. So hast Du alles mit einem Griff bereit.
  • Nur Schulsachen in der Schultasche: So findest Du alles besser und die Tasche wird auch nicht so schwer.
  • Hausaufgabenheft führen: So weißt Du immer, was noch an Hausaufgaben ansteht.
  • Bitte Deine Eltern um Hilfe, wenn Du glaubst, Du schaffst das nicht alleine.

In der Schule

Auch für die Zeit in der Schule gibt es Tipps, die Dir helfen, besser mitzukommen. Selbst wenn es vielleicht netter ist, mit einem Mitschüler an einem Tisch zu sitzen: Du weißt, dass Dich dann vieles ablenkt. Besser ist es, wenn Du einen Platz an einem Einzeltisch wählst. Mit Deinen Freunden kannst Du Dich ja dann in der Pause oder nach der Schule treffen.

Genau wie auf Deinem Arbeitsplatz zu Hause sollten auf Deinem Schultisch nur die Materialien liegen, die Du gerade brauchst. Alle anderen gehören in die Schultasche.

Der Umgang mit den Lehrern

Hast Du schon mal festgestellt, dass Dir Fächer mit netten Lehrern viel besser liegen als die, bei denen Du den Lehrer nicht magst? Nicht nur deshalb ist es wichtig, mit den Lehrern gut auszukommen. Zusammen mit dem Lehrer kann Dir vieles in der Schule leichter fallen und besser gelingen.

Eine wichtige Frage ist, ob der Lehrer von Deiner ADHS weiß. Nur wenn er weiß, dass Dir manche Aufgaben besonders schwerfallen, kann er auch darauf eingehen.

Wenn Dein Lehrer informiert ist, kannst Du Abmachungen mit ihm treffen, die Dir helfen können. Du könntest zum Beispiel folgende Vorschläge machen:

  • Geheime Zeichen abmachen: So kann Dein Lehrer Dir einen Hinweis geben, ohne dass es jedes Mal die ganze Klasse mitbekommt, z. B. wenn Du still sein sollst oder wenn Du gerade nicht aufpasst.
  • Extraaufgaben übernehmen: Wenn es Dir schwerfällt, die ganze Zeit still zu sitzen, frag Deinen Lehrer, ob Du kleine Dienste übernehmen kannst, bei denen Du zwischendurch aufstehen darfst.

Sollte es mal nicht so laufen, wie Du Dir das vorstellst, denk auch mal über folgende Punkte nach:

  • Viel zu tun: Dein Lehrer muss sich nicht nur um Dich, sondern auch um Deine Mitschüler kümmern. Deshalb kann er vielleicht nicht immer so viel auf Dich eingehen, wie Du das möglicherweise gerne hättest.
  • Man kann nicht jeden mögen: Manchmal ist man sich gegenseitig sympathisch, manchmal nicht so. Trotzdem solltest Du auch den Lehrern, die Du nicht magst, zeigen, dass Du Dich bemühst.
  • Auch Lehrer müssen sich benehmen: Falls der Lehrer ungerecht sein sollte oder sich über Deine ADHS lustig macht, musst Du Dir das nicht gefallen lassen. Dann wende Dich an einen Erwachsenen, der Dir helfen kann.
  • Lehrer sind auch nur Menschen: Sie dürfen auch mal schlechte Laune haben und Fehler machen, genau wie Du.

Ansprechpartner in der Schule

Neben Deinen Eltern und Deinem Klassenlehrer gibt es noch weitere Personen, die Dir helfen können. Grundsätzlich gilt: Rede mit jemandem, dem Du vertraust und dem Du Dich öffnen magst. Das kann z. B. Dein Klassenlehrer oder auch ein anderer Lehrer sein. Vielleicht gibt es an Deiner Schule auch einen Vertrauenslehrer oder Sozialarbeiter. Vertrauenslehrer werden von den Schülern gewählt. Zum Vertrauenslehrer oder Sozialarbeiter kannst Du mit allen Sorgen gehen, die Dich belasten – ob es Noten, Mitschüler, ein Lehrer oder vielleicht auch Probleme zu Hause sind.

An manchen Schulen gibt es auch einen Schulpsychologen. Zu einem Psychologen zu gehen, hat nichts damit zu tun, „verrückt“ zu sein oder besonders große Schwierigkeiten zu haben. Ein Schulpsychologe kennt sich besonders gut mit den Problemen aus, die in der Schulzeit auftreten können, und kann helfen, diese zu lösen.

Hausaufgaben – so geht’s einfacher!

  • Schreib Deine Hausaufgabenzeit in den Tagesplan: So wird es für Dich zur Routine, sie täglich zu machen und nicht zu vergessen.
  • Lass Dein Hausaufgabenheft vom Lehrer abzeichnen: Damit trickst Du Deinen „inneren Schweinehund“ aus.
  • Halte Deinen Schreibtisch ordentlich: Chaos auf dem Tisch macht auch Chaos im Kopf!
  • Schaff Stammplätze auf dem Schreibtisch: Alles, was Du brauchst, hat seinen festen Platz.
  • Lass kein unnötiges Zeug auf dem Schreibtisch liegen, nur die Dinge, die Du gerade wirklich brauchst.

Lernen – und wie man dabei auch Spaß hat

Manches flutscht von ganz allein. Es gibt ganz bestimmt etwas in Deinem Leben, was Dich total fesselt und wo das Wort „Lernen“ gar keine Rolle spielt. Denn was Dich interessiert, das rutscht ganz von selbst in Deinen Kopf und bleibt auch dort. Überleg doch mal, was das für Dich ist.

Darauf kannst Du stolz sein!

Mach das Lernen zu Deiner Chefsache, denn wenn Du als Chef in eigener Sache unterwegs bist, bist Du selbstbestimmter. Wie kannst Du Dich z. B. besser organisieren? Eine To-do-Liste behält alles für Dich im Blick, Dein Handy kann Dich rechtzeitig an Klassenarbeiten, Geburtstage und Verabredungen erinnern – es gibt viele Apps und andere Hilfen, die Dich bei der Organisation Deines Alltags unterstützen.

Du selbst weißt am besten, wann Du Ruhe brauchst und wann Du Dich besser auf etwas konzentrieren kannst. Wähle, wenn möglich, den Zeitpunkt zum Lernen selbst.

Um Dich ans Lernen zu gewöhnen, versuche immer ungefähr zur gleichen Zeit, etwas zu tun. Es hilft auch enorm, sich einen Rückzugsort zu schaffen, an dem Du in Ruhe und ohne äußere Reize Deine Aufgaben erledigen kannst.

Und wie bleibt das Wissen in Deinem Kopf? Mach eine Pause danach – eine echte … denn all das eingepaukte Wissen geht sehr schnell wieder flöten, wenn man danach fernsieht, zockt oder chattet … Leg Dich aufs Bett und hör Musik, schmus mit Deinem Haustier oder geh mal eine Runde raus in den Garten oder Park.