Informationen für Lehrer

ADHS in der Schule


Es gibt zahlreiche Strategien und Materialien, um einem Kind mit ADHS dabei zu helfen, in der Schule gut zurechtzukommen. Als Lehrer oder Erzieher erfahren Sie hier, wie Sie ADHS-Symptome erkennen und die betroffenen Kinder und ihre Eltern gut unterstützen können.

Worauf Sie als Lehrer achten sollten

Die Schule spielt eine wichtige Rolle beim Erkennen von ADHS-Symptomen, denn Sie als Lehrer sind häufig die ersten, die Anzeichen erkennen und Ihre Besorgnis zum Ausdruck bringen. Die Kinder verbringen viele Stunden in der Schule, was den Lehrern Gelegenheit gibt, das Verhalten und die kognitiven Funktionen der Schüler zu beobachten und mit dem Verhalten gleichaltriger Kinder zu vergleichen. Vielen Lehrern, die bereits Schüler mit ADHS unterrichtet haben, fällt es zudem leichter ADHS zu erkennen, weil sie schon mit den entsprechenden Symptomen und Verhaltensweisen vertraut sind.

ADHS-ähnliches Verhalten wird bei vielen Kindern beobachtet, besonders wenn sie noch sehr klein sind. Erst wenn die Intensität und die Häufigkeit des Auftretens dieser Symptome steigen, wird das Verhalten des Kindes zum Problem. Der Schulpsychologe oder Schulsozialarbeiter sind hier die ersten Ansprechpartner, auch wenn Sie als Lehrer Ihre Beobachtungen mitteilen möchten.

Bevor Sie die Eltern oder den Schulpsychologen ansprechen, können Sie zunächst auf folgende Verhaltensweisen bei Ihren Schülern mit eventueller ADHS-Problematik achten:

  • Unaufmerksamkeit beim Sprechen im Vergleich zu den Klassenkameraden; sie „verlieren leicht den Faden“
  • Schwierigkeiten damit, Aufgaben zu organisieren oder zu planen
  • Ablieferung unvollständiger Hausaufgaben
  • Probleme, bei einfachen, aber längeren Aufgaben die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten
  • bei Spielen oder Aktivitäten werden Anforderungen nicht erfüllt oder Regeln nicht eingehalten
  • mangelnde Achtsamkeit auf Details
  • das Durchsetzen der eigenen Interessen steht im Vordergrund, ohne Rücksicht auf die der anderen
  • Vermeidung von Aufgaben, die eine anhaltende geistige Anstrengung erfordern

Wie Sie Schülern mit ADHS helfen können

Schüler mit ADHS zeigen meistens geringere schulische Leistungen als andere. Darüber hinaus haben diese Kinder häufig Schwierigkeiten in Basisfächern wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie neigen auch zu Defiziten bei der Entwicklung sozialer und emotionaler Fähigkeiten, was den Kontakt zu Gleichaltrigen erschweren kann.

Wir können gar nicht oft genug betonen, wie wichtig die regelmäßige und intensive Kommunikation zwischen Ihnen als Lehrern, den Erziehern und den Eltern von Schülern mit ADHS ist. Der Austausch und das Abstimmen auf den Behandlungsplan führen zu einer kontinuierlichen und notwendigen Mitarbeit des Kindes mit ADHS.

Aufgrund ihrer Probleme, sich selbst zu organisieren, lernen Schüler mit ADHS leichter, wenn die Schulstunde sorgfältig strukturiert ist. In vielen Fällen können sie sich schwertun, Anweisungen ganz zu verstehen, selbst mit Anstrengung. Nachfolgend haben wir für Sie ein paar Tipps zusammengestellt, mit Hilfe derer Sie Schüler mit ADHS unterstützen können:

  • Gedankenstützen für die Organisation und die Vorbereitung der Aufgaben entwickeln. So gibt es keine Überraschungen, und die Schüler wissen, mit welcher Aufgabe sie wann anfangen sollen.
  • Frühere Unterrichtseinheiten wiederholen. Überprüfen Sie den Inhalt der Unterrichtseinheit, die zuletzt durchgearbeitet wurde. Rücken Sie dabei die Punkte in den Vordergrund, die Schwierigkeiten bereitet haben, und antworten Sie auf einige der Fragen, die in der Klasse gestellt wurden.
  • Stellen Sie unterstützende Materialien zur Verfügung. So helfen Sie Schülern bei der Bearbeitung der Aufgaben und der Vertiefung des Gelernten.
  • Geben Sie möglichst einfache Anweisungen. Je einfacher und kürzer die Anweisungen und Aufgaben sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Schüler die gestellte Aufgabe innerhalb einer vorgegebenen Zeit erfüllen können.
  • Sprechen Sie im Vorfeld über Veränderungen. Wenn irgendwelche Veränderungen am Stundenplan oder bei den Routineabläufen zu erwarten sind, informieren Sie Ihre Schüler so frühzeitig wie möglich, damit diese nicht überrumpelt werden. Gerade für Kinder mit ADHS sind Unterbrechungen von wiederkehrenden Abläufen verunsichernd.
  • Machen Sie den Plan sichtbar. Nutzen Sie einen Bereich im Klassenzimmer dafür, die Ereignisse des Tages zu notieren. Auch hier gilt: keine Überraschungen.
  • Erstellen Sie eine Liste der Materialien für die Hausaufgaben. Damit unterstützen Sie Ihre Schüler bei der Selbstorganisation.
  • Bitten Sie das betroffene Kind, sich in Ihre Nähe zu setzen, um es bei Bedarf schnell unterstützen zu können. Auch kann dies dem Kind helfen, sich nicht ablenken zu lassen. Darüber hinaus kann es hilfreich sein, sich mit der Persönlichkeit des Kindes zu befassen und herauszufinden, wie es lernt. Möglicherweise sollten Sie Einzelgespräche mit dem Schüler oder auch mit seinen Eltern bzw. Erziehungsberechtigten führen, damit alle an einem Strang ziehen und über eventuelle Veränderungen bei der Therapie oder beim Verhalten auf dem Laufenden sind. Vergessen Sie nicht, das Kind zu loben. So sorgen Sie für ein gutes Selbstwertgefühl und Freude am Lernen bei Ihrem Schüler.

Wie Sie als Lehrer mit Ablenkungen im Klassenzimmer umgehen

Kinder, die sich unterfordert fühlen oder leicht abzulenken sind, haben Mühe damit, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen.

Es gibt drei wichtige Gesichtspunkte, die sich auf die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern mit ADHS auswirken:

  • Es gelingt ihnen nur schwer, Vorgänge in der Umgebung zu filtern.
  • Sie lassen sich tendenziell leicht ablenken, wenn sie sich konzentrieren sollen.
  • Sie brauchen länger, um die Aufmerksamkeit nach einer Ablenkung wieder zu fokussieren.

In Anbetracht dieser Punkte spielen Sie eine Schlüsselrolle dabei, Ablenkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Es ist nicht leicht zu lernen, wie man sich fokussiert, und jedes Kind mit ADHS ist anders. Auch Sie als Lehrer werden Zeit brauchen, um für jedes Kind eine passende Lösung zu finden.

Sie können dazu beitragen, Ablenkungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren, indem Sie alle Übungen, Hausaufgaben und bevorstehenden Prüfungen oder Klassenarbeiten auf einer Wandtafel auflisten. Normalerweise finden Kinder es hilfreich, sich jeweils nur auf eine Sache zu konzentrieren; löschen Sie daher alles, was nicht länger gebraucht wird, wenn sich die Tafel im Laufe der Stunde mit zu vielen Informationen füllt. Setzen Sie das Kind so, dass es die Tafel gut sehen kann, dann kann es dem Unterricht besser folgen. Wenn Sie bemerken, dass das Kind herumzappelt, rufen Sie es mit Namen auf, damit es seine Aufmerksamkeit wieder fokussieren kann.

Hilfe bei der Integration in den Schulalltag

Für das Integrieren des Kindes in den Schulalltag ist Konsequenz das Wichtigste. Es könnte eine gute Idee sein, sich zu Beginn eines Schuljahrs mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten zusammenzusetzen und gemeinsam einen Plan auszuarbeiten. Bei diesem Gespräch können Sie Ihre Erwartungen äußern und erfahren, welche Erwartungen das Kind und seine Eltern haben. So gibt es keine Überraschungen in Bezug auf das, was von dem Kind verlangt wird. Niemand wünscht sich, dass ein Kind in seinen schulischen Leistungen nachlässt.

Ein paar Möglichkeiten, dem Kind zu helfen, sind:

  • Positive Verstärkung. Eine kurze Mitteilung an das Kind oder ein Brief an die Eltern, in dem Sie diesen mitteilen, welche Verbesserungen Sie beobachtet haben, kann viel bewirken.
  • Erklären Sie die Konsequenzen. Machen Sie dem Kind schon im Voraus deutlich, dass es Folgen haben wird, wenn es eine Aufgabe nicht erfüllt oder sich nicht an einen Plan oder eine Vorgabe hält. Erklären Sie ihm genau, welche Folgen zu erwarten sind (keine Überraschungen!).
  • Handeln Sie schnell. Geben Sie Schülern und ihren Eltern sofort eine positive oder negative Rückmeldung, wenn Ihnen bestimmte Dinge auffallen. So halten Sie alle Beteiligten über Veränderungen bei der Leistung oder im Verhalten auf dem Laufenden.
  • Setzen Sie Belohnungen ein, die Sie nach Bedarf verändern. Wenn es schon ein Belohnungssystem gibt, zum Beispiel Sticker, und das Kind sich gut entwickelt, sollten Sie daran denken, die Belohnung noch attraktiver zu machen. Dann hat das Kind ein Ziel, auf das es hinarbeiten kann.
  • Erklären Sie anderen Lehrern oder schulischen Behörden das Verhalten des Kindes. Sie brauchen gar nicht in die Tiefe zu gehen, nutzen Sie Ihr Einfühlungsvermögen. Auf jeden Fall sollten Sie Kunst- und Sportlehrer oder die Schulleitung einbeziehen und diese Stellen darüber informieren, dass bei dem Kind eine Erkrankung vorliegt und wie der Behandlungsplan aussieht.