ADHS – was heißt das eigentlich?

ADHS – zunächst ein paar allgemeine Infos?


Die Abkürzung leitet sich von den Anfangsbuchstaben der Bezeichnung für diese Erkrankung ab: Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung.

Mit anderen Worten: Es besteht ein Mangel an Aufmerksamkeit und Konzentration, der länger andauert und stärker ist als bei vielen anderen. Die Hyperaktivität bezeichnet die innere Unruhe, die sich z. B. durch ständiges Sich-bewegen-Wollen oder auch Begeisterung für schnelle, wechselnde Inputs äußert.

Wie fühlt sich das an – ADHS?

  • Du bist sehr schnell abgelenkt und fällst super spontane Entscheidungen. Oft wirst Du dann von den anderen als sprunghaft oder unzuverlässig abgestempelt.
  • Du brennst für Dinge, die Dir wirklich Spaß machen, alles andere findest Du sinnlos und öde, insbesondere wenn es sich um Deine Pflichten wie Hausaufgaben oder Mitarbeit im Haushalt handelt.
  • Oft fällt es Dir schwer, von anderen Menschen etwas anzunehmen. Besonders bei Autoritäten wie Lehrern oder Eltern wirst Du schnell wütend, wenn etwas von Dir erwartet wird oder Du Dich kritisiert fühlst.
  • Verabredungen, Termine, Klassenarbeiten – wer kann sich das alles nur merken?
  • Du kennst das Gefühl, dass die anderen nicht verstehen, warum es Dir so schwerfällt, Dich zu konzentrieren. Sicher kennst Du die vielen Ermahnungen der Lehrer und Eltern, „jetzt mal endlich ruhig“ zu sein gut.

Aber ADHS ist keine Frage der Willensstärke, sie ist eine Erkrankung, die die Wahrnehmung und damit Dein ganzes Denken und Handeln betrifft.

Die neurologischen Grundlagen

Unser Gehirn erbringt jeden Tag Meisterleistungen! Milliarden von Nervenzellen, die kompliziert verschaltet sind, können blitzschnell miteinander kommunizieren. Das denkende Gehirn kannst Du Dir vorstellen wie einen riesigen Computer, in dem gleichzeitig Tausende Rechenprozesse stattfinden, nur noch schneller und besser.

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip

Der Austausch von Informationen zwischen den einzelnen Nervenzellen wird durch sogenannte Botenstoffe reguliert. Das sind Moleküle in bestimmten Formen, die wie ein Schlüssel im Schloss funktionieren – eine Zelle schickt den „Schlüssel“ und dieser passt in das „Schloss“ einer anderen Zelle. Damit „öffnet sich die Tür“ und Informationen können übertragen werden.

Es gibt zwei sehr wichtige Botenstoffe: Dopamin und Noradrenalin. Diese beiden Stoffe sind bei Menschen mit ADHS nicht ausreichend vorhanden. Vor allem mangelt es in einem ganz bestimmten Teil unseres Gehirns an ihnen – dem Stirnhirn. Das Stirnhirn spielt eine wichtige Rolle für die Aufmerksamkeit, die Handlungsplanung und die Verhaltenskontrolle. Wenn es zu wenig Dopamin und Noradrenalin gibt, werden Informationen nicht so weitergeleitet, wie es eigentlich sein sollte.

Ein Türsteher fürs Bewusstsein

Wie das alles genau funktioniert, ist hochkomplex und bis heute noch nicht vollständig erforscht. Aber Du kannst Dir das Stirnhirn vorstellen wie einen Türsteher. Der sortiert und filtert alles, was reinwill. Er soll eigentlich nur durchlassen, was für das momentane Handeln wichtig ist.

„Hinter der Tür“ befindet sich die oberste Instanz, quasi die Chefetage unseres Gehirns – unser Bewusstsein! Das Bewusstsein ist eigentlich das Einzige, was wir von all den unglaublichen Informationsübertragungen im Gehirn mitbekommen. Es bestimmt maßgeblich unser Denken und Handeln. Was in die Chefetage gelangt, ist also superwichtig! Macht der Türsteher seine Arbeit nicht gut, wird die Chefetage mit Reizen und Informationen überflutet und das selbstbestimmte Denken und Handeln wird schwerer.